Bunker Harnekop (Brandenburg)

Bunker Harnekop

Objekt 16/05/102

 

Ca. 50 km nordöstlich von Berlin.

 

Besuch: Oktober 2012

Führungobjekte/-komplex des Ministeriums für Nationale Verteidigung der DDR.

Der Begriff "Führungsbunker" ist bei Wehrbauten dieser Art ab 1939 eigentlich sachlich falsch. Das Objekt/der "Bunker" ist nur ein Teil eines Systems, dass fest definierte Aufgaben zu erfüllen und einen festgelegten Schutzgrad hatte. Das einzelne Schutzbauwerk gehörte zu einem Komplex von geschützen Werken, die für sich allein völlig wertlos waren.

Dem Führungskomplex lassen sich folgende Anlagen zuordnen:

 

Harnekop

- Objekt 16/05/102 "FLUGWETTERSTATION"

- Hauptführungsstelle

- Monolith, L x B x H = 63,0 x 40,0 x 21,5 m

- Zerschellerschicht 3,6 m dick

- Schutzklasse A

- Indienststellung 10/1976

 

Kunersdorf

- Objekt 16/05/448 "WETTERBEOBACHTUNGSSTATION"

- Funksendestelle mit Sputniks

  (Eingegrabene Sender in Stahlröhren, ähnlich Tanks in der

  Landwirtschaft und fernbedienbar. Tarnung in Perfekt!)

- Monolith

- Schutzklasse B

 

Strausberg

- Objekt 16/05/245 "TONNE"

- operatives Führungszentrum

- zwei Fertigteilbunker GDF 16

- Schutzklasse E

 

Hennickendorf

- Ausweichführungstelle MfNV

 

Klein Köris

- mehrteiliger Bunkerkomplex

- Objekt "STREGANZ"

- Chef der Rüchwärtigen Dienste und  Chef Technik/Bewaffnung

- Ausweichführungsstelle

- Trainingsobjekt

- Fertigteilbunker und oberirdische Anlagen

 

Garzau

- Objekt 16/05/206

- Organisation- und Rechenzentrum

- Monolith mit Zerschellerschicht

- Schutzklasse B (?)

 

Strausberg

- Objekt 16/05/107 "WOSTOCK"

- Hauptnachrichtenzentrale

- Komplex aus mehreren Bauwerken

- Schutzklasse E

 

Kagel

- Objekt 16/05/040

- Funksendestelle

- insgesamt 40 Antennen und zwei "Sputniks"

- Schutzklasse D

 

Zusätzlich gab es noch Führungstellen und Gefechtsstände der einzelnen Teilstreitkräfte. Die Grenztruppen der DDR hatten auch eigene Führungsbunker.

 

Quellen:

- Paul Berner, Atombunker Kalter Krieg

- Joachim Kampe, Die militärische Sicherheit der DDR

Der Bunker wurde von 1971 - 1976 erbaut und befindet sich in einem sehr guten Zustand.

 

Wie bei allen wichtigen Bunkern wurde der zentrale Bereich, die Parkzone, von einem Hochspannung-Sicherheitszaun (HSA) geschützt.

Eingangsgebäude der Parkzone Harnekop Eingangsgebäude der Parkzone

Leider ist in der Parkzone und im Bunker das Fotografieren nicht gestattet. Dementsprechend gibt es hier also keine Bilder!

 

Bilder und Beschreibungen im Internet können ernstzunehmende Werbung sein. Das ist 2012 anscheinend noch nicht im Bunker Harnekop angekommen.

Reste der HSA Bunker Harnekop Reste der HSA in Harnekop

Durch das über dem Eingang errichte Stabsgebäude war die Tarnung perfekt. Neben dem Stabsgebäude befindet sich ein Schuppen, der den Montageschacht tarnt.

 

Der Bunker wurde durch die NVA betriebsbereit gehalten. Vermutlich wurden auch Übungen für den Ernstfall durchgeführt

 

Nach der Wende wurde der Bunker noch durch die Bundeswehr betrieben und vor der Schließung ausgeschlachtet. Hochgeheime Technik haben die Russen wahrscheinlich vorher "ausgebaut".

Schnittzeichnung (Frei nach Stefan Best) Schnittzeichnung (Frei nach Stefan Best)

Prinzipskizze des Bunkers

 

Auskragende Zerschellerschicht mit einem Zwischenstockwerk voller Sand, der einen Einbruch gedämpft hätte.

 

Betonierte Ablufthaube. Seitwärts angehängte Zugänge.

 

Kernbauwerk in einem Käfig aus Blech, um elektromagnetische Einflüsse von aussen und innen abzuschirmen.

Stabsgebäude über dem Eingang zum Bunker Harnekop Stabsgebäude über dem Eingang zum Bunker

Auf dem Gelände kann man sich nicht frei bewegen.

 

Die Zu- und Ablufthauben, sowie die Gammaglocke konnten wir nicht besichtigen.

Küchen- un Kantinengebäude im Kasernenbereich Harnekop Küchen- un Kantinengebäude im Kasernenbereich

Der Bunker befindet sich auf einem weitläufigen Kasernengelände, der sogenannten U-Zone. Hier sind fast alle Standardbauten der NVA ab Ende der 1970er vorhanden.

Die normale Führung von einer Stunde bringt fast garnichts. Wir waren entäuscht, da die wesentlichen Bestandteile des Bunkers nicht gezeigt wurden.

 

Der Schleusungsvorgang wurde nicht erklärt, die Aufgaben des Bunkers blieben im Hintergrund. Das Ministersofa war wichtiger als das Lagezentrum. Die Funktionsweise des Bunkers und das Dienstregime wurden nur ansatzweise erklärt.

Fazit der Besichtigung

 

Meine Einschätzung seit der Beobachtung des Bunkers im Internet seit 200x hat sich bestätigt.

 

Ohne entsprechende Vorbildung geht man in eine Führung mit schweren Mängeln.  Mit der entsprechenden Vorbildung ist die Standardführung von einer Stunde nur als "ärmlich" zu bezeichnen.